Kaltdehnen – reine Physik für festen Halt
KALTDEHNEN – REINE PHYSIK FÜR FESTEN HALT
Das Kaltdehnen sieht sehr einfach aus: Einfach draufstecken, passt, hält und fertig! Nur mit dem Trennen wird es schwierig, denn eine kaltgedehnte Verbindung lässt sich ohne mechanische Zerstörung nicht mehr lösen.
Fast alle Materialien schrumpfen ein wenig ein, wenn sie abkühlen. Dieses physikalische Phänomen wird beim Kaltdehnen für die Verbindung zweier Metallteile, etwa Antriebswelle und Zahnrad, ausgenutzt. Voraussetzung sind zwei Werkstücke, bei denen die Außenmaße des einen mit den Innenmaßen des anderen mit einem geringen Aufmaß übereinstimmen. Das innen liegende Werkstück wird mit tiefkalten CO2-Pellets oder in einem Tauchbad aus flüssigem Stickstoff tiefgekühlt, bis es ausreichend eingeschrumpft ist. Dabei entsteht das nötige Spiel, um es in die Öffnung des außen liegenden Teils stecken zu können. In der Regel genügen dafür Bruchteile eines Millimeters. Nun muss man nur noch warten. Bei der Wiedererwärmung dehnt sich das Werkstück aus und schafft so eine hochfeste Pressverbindung. Zusätzliche Komponenten wie Schrauben, Keile, Klemmringe oder Schweißnähte werden nicht gebraucht. Deshalb können auch keine Spannungsspitzen oder technisch bedingte Schwachstellen entstehen. Das Kristallgefüge des Metalls bleibt – im Gegensatz zu Verfahren, die mit Hitze arbeiten – ebenfalls unbeeinträchtigt. Kaltdehnen schont also das Material, ist sicher, schnell und wirtschaftlich. Angewendet wird es unter anderem bei stark beanspruchten Wellen, Kugellagern, Buchsen oder Zapfen.

N2
STICKSTOFF (N2): BASIS DES LEBENS